Matt Kao, Student im CLI-Immersionsprogramm, hat die CLI Perspective dieser Woche geschrieben. Bevor Matt ans CLI kam, hatte er durch seinen Vater, der in Taiwan geboren wurde, bereits die chinesische Sprache und Kultur kennengelernt. Dieses Mal wollte Matt jedoch tief in die chinesische Kultur eintauchen und in China Chinesisch lernen. Lesen Sie, wie sich Matts Sicht auf China durch Reisen und Studium vor Ort weiterentwickelt hat.

Freiheit und Schönheit des Studiums in China

Von Matt Kao, Student im Immersionsprogramm

Dass China und Amerika verschieden sind, ist eine Binsenweisheit. Doch vor meiner Ankunft in Guilin hätte ich nie gedacht, dass mir so viele Unterschiede auffallen würden. Am deutlichsten waren die Kleinigkeiten, aber bevor Sie mich als cliché abstempeln: Auch die großen Dinge fielen mir auf.

Zum ersten Mal war ich vor zwei Sommern mit meiner Familie in China. Es waren nur anderthalb Wochen, und wir haben in dieser Zeit so viel von der Inneren Mongolei und von Peking mitgenommen, wie es ging. Mein Vater ist Chinese, deshalb hatte ich schon immer engen Kontakt zur Kultur. Zwei volle Monate auf dem chinesischen Festland erlaubten mir, wirklich einen Gang herunterzuschalten und alles um mich herum richtig zu erleben. Mein Freund Kian dagegen war noch nie in Asien gewesen und hat keinerlei familiäre Bindung zu China. Er wusste nicht, was ihn erwartet.

Gleich nach der Landung fuhren wir zu unserer Wohnung, und wir waren mehr als erfreut, wie geräumig, gemütlich und praktisch gelegen sie war. Vom ersten Tag an war klar, dass CLI sich hervorragend um seine Studenten kümmert.

Nie vergessen werde ich den nächsten Morgen, als wir an ein paar starrenden Einheimischen vorbeikamen und der lokale CLI-Leiter Molin zu uns sagte: „Ja ... in Guilin wird man vielleicht ein bisschen angeschaut.“ Manche mögen diese Blicke als einschüchternd empfinden, aber in Wahrheit sind sie reine Neugier. Die meisten dieser Chinesen haben noch nie Touristen gesehen oder das Land verlassen. In meiner ganzen Zeit hier bin ich keinem einzigen ungeduldigen Einheimischen begegnet, der nicht begeistert oder bereit gewesen wäre, sich mit mir in meinem sicher frustrierenden, holprigen Mandarin zu unterhalten. Ich wünschte, New York City würde seine Touristen genauso behandeln.

Unser erster Ausflug außerhalb von Guilin führte uns zu den Longji-Reisterrassen in Longsheng. Ich wollte die ganze Schönheit dieser einzigartigen Landschaft in mich aufsaugen, aber sie war einfach zu weitläufig, um sie auf einmal zu erfassen. Dieses Gefühl habe ich selten. Fotos werden all den unglaublichen Ausblicken und Eindrücken, die wir in China hatten, nicht gerecht. Die Stadt Longsheng wurde buchstäblich an einen Berg gebaut. Beim Gang von einem Laden zum nächsten konnte einem oft schwindelig werden. Am Samstagabend war die ganze Stadt schon um 22 Uhr gespenstisch still. Ich war in meinem Leben in vielen Ländern, aber nur wenige wechseln so wie China oft von geschäftigem Treiben tagsüber zu völliger Totenstille bei Nacht.

Unser nächster Ausflug führte uns nach Zhangjiajie, der Inspiration für die schwebenden Berge im amerikanischen Film Avatar. Es war unglaublich spannend, aus erster Hand zu sehen, was eine weltweite Sensation mit ausgelöst hat – in all ihrer Pracht. Wieder einmal war die Landschaft fantastisch, und die Berge waren zahllos. Im Park fiel mir ein Unterschied zu amerikanischen Parks auf: Die Besucher hatten viel mehr Freiheiten. In Zhangjiajie gab es zwar Absperrungen rund um die Berge, aber sie waren recht klein. Es war großartig, der Natur so nah zu sein, doch mir wurde klar, dass amerikanische Parks ihren Besuchern nie so viel Freiheit zugestehen würden. So waren zum Beispiel Affen nur eine Armlänge von mir entfernt! Auch in Guilin scheint es insgesamt ein größeres Gefühl von Freiheit zu geben.

Wir waren außerdem auf dem Maoershan, einem Berg im Stadtgebiet von Guilin. Leider verhinderten Regen und dichter Nebel während unseres Ausflugs die typische Aussicht vom Gipfel. Doch Kian und ich waren uns einig: Der ruhige, sanfte Dunst hatte etwas Erfrischendes und Geheimnisvolles. Es war auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung zu der alltäglichen Hitze und Schwüle in Guilin. Bevor wir den Gipfel erreichten, stießen wir auf ein Denkmal für amerikanische Kampfpiloten aus dem Zweiten Weltkrieg, die während des Krieges an diesem Berg abgestürzt waren. Es war ein faszinierendes Gefühl, an einem Ort auf der anderen Seite der Welt zu stehen, an dem die Tapfersten unseres Landes ihr Leben für uns gaben. Noch erstaunlicher fand ich, dass kaum jemals Ausländer auf dem Maoershan gewesen sind. Ich kann nur hoffen, dass meine letzten Wochen am CLI noch weitere großartige Erlebnisse bringen.

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