Der neueste Autor der Reihe CLI Perspectives von CLI ist Jason Campbell. Jason Campbell, Student im CLI Immersion Program, kam nach China, um China und die chinesische Kultur durch das Chinesischlernen besser zu verstehen. Welche lebensverändernden Erfahrungen machte Jason? Lesen Sie weiter und erfahren Sie, wie das Chinesischstudium in China Jasons Weltbild, seine Lebenseinstellung und vieles mehr erweitert hat.
Chinesisch lernen wie ein Einheimischer, nicht wie ein Tourist
Von Jason Campbell, Student im CLI Immersion Program
Es gibt nur wenige Erfahrungen im Leben, die man wirklich als „lebensverändernd“ bezeichnen kann, aber meine Zeit in Guilin in diesem Sommer gehört auf jeden Fall dazu. Der Monat in China hat mir nicht nur einen wunderbar einzigartigen Zugang zu chinesischer Sprache, Kultur und Alltag eröffnet, sondern mir auch besondere und wesentliche Fähigkeiten vermittelt – vom Reisen im Ausland bis zur Verständigung mit Menschen, die meine Muttersprache nicht sprechen.
Darüber hinaus war die wichtigste Wirkung dieser Reise auf mein Leben aber, dass sie mir bewusst machte, wie groß diese Welt wirklich ist und wie vielfältig die Menschen sind, die sie bewohnen. Die meisten Menschen, die im Lauf ihres Lebens andere Kulturen und Lebensweisen kennengelernt haben, wissen das. Doch in einem Land zu leben, in dem man nicht mehr zur Mehrheit gehört und auch die Landessprache nicht spricht, macht jeden wirklich demütig.

Jason verbringt einen Abend mit seinen neuen chinesischen FreundenGleich zu Beginn meiner Zeit in Guilin ging ich zu Fuß zu einem buddhistischen Kloster, das relativ nah am Gebäude des Chinese Language Institute (CLI) liegt. Auf dem Weg dorthin stehen Reihen kleiner Häuser, die eher wie Baracken aussehen als wie Häuser, die ich gewohnt bin. Als ich dort entlangging, erschütterte mich das ganze Elend, in dem die Menschen hier leben. Mir wurde klar: Armut hatte ich in meinem Leben zwar schon gesehen, aber nie so krass wie hier. Nachdem ich dieses Viertel hinter mir gelassen hatte, erreichte ich das Kloster, wo ich fast eine Stunde mit einer Nonne sprach. Sie nahm sich großzügig Zeit, mir die Feinheiten des buddhistischen Denkens und die Symbolik der verschiedenen Gegenstände und Verzierungen im Kloster zu erklären.
Auf dem Rückweg vom Kloster ging ich wieder an den ärmlichen Häusern vorbei. Diesmal fiel mir der enorme Gegensatz auf zwischen dem, was ich wenige Minuten zuvor im Kloster erlebt hatte, und dem, was die Menschen hier tagtäglich erleben – dort das überwältigende Gefühl von Liebe und Annahme, hier das Gefühl, so offensichtlich an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu sein. Das gibt es zwar in jeder größeren westlichen Stadt, doch so klar wie in dieser Form war es mir noch nie geworden. Diese Erfahrung gehört zu den wichtigsten Einsichten ins Leben, die ich in Guilin oder irgendwo sonst gewonnen habe.

Jason erlebt die atemberaubende Landschaft um GuilinSpäter auf meiner Reise fuhr ich zu den berühmten Reisterrassen von Longsheng. Die Schönheit und natürliche Kunstfertigkeit dieser Gegend lassen sich kaum in bloße Worte fassen. Nicht nur die Terrassen und Berge sind wunderschön anzusehen, auch die Wanderwege sind so angelegt, dass man der Natur ganz nah kommt. Man kann mitten durch die Reisfelder und an den Menschen vorbeigehen, die dort arbeiten. Die fast dreistündige Wanderung von dem Ort, in dem mein Hotel lag, in ein anderes Dorf verband mich stärker mit der Natur als alles, woran ich mich aus letzter Zeit erinnern kann.

Dank CLI konnte ich China nicht nur als Tourist besuchen, sondern hatte das Gefühl, wirklich in die Umgebung eingetaucht zu sein. Nach dem Monat dort hatte ich, anders als auf früheren Reisen, nicht den Eindruck, die Gegend nur besucht zu haben, sondern dort gelebt zu haben. Durch den ganz normalen Alltag, das kulturelle Umfeld in Guilin und die Ausflüge in die Umgebung bin ich wirklich verändert abgereist und habe das Gefühl, durch diese Reise ein besserer Mensch geworden zu sein.

